FTSV Altenwerder v. 1918 e.V.

Entstehung und Entwicklung

»Olwarder«

 

Altenwerder, südlich von Hamburg gelegen zwischen Köhlbrand und der alten Süderelbe, war eine Insel, die schon während der Eiszeit gebildet wurde. Als das Eis anfing zu schmelzen, entstanden erste Sandablagerungen, sogenannte Dünen und Dünenketten, die sich bei späterer Erderwärmung begrünten. Durch Ebbe, Flut und Sturmfluten lagerte sich dort Schlick ab, es entstand fruchtbares Ackerland.

Wann die Elbinsel Altenwerder entstanden und seit wann sie von Menschen genutzt und besiedelt wird, lässt sich in Ermangelung schriftlicher Quellen kaum noch klären. Selbst für die Zeit des Mittelalters, als die ersten spärlichen Quellen diese Insel erwähnen, sind die Informationen derartig lückenhaft, dass die Geschichte Altenwerders nur in ganz verschwommenen Umrissen daraus rekonstruiert werden kann. Die beiden ältesten erhaltenen Schriftstücke können so bezeichnenderweise nur ganz allgemein in das Jahr um 1250 zurückdatiert werden. Aus diesen Schriftstücken geht hervor, dass  der Graf von Hoya dem vom Abt des Klosters Corvey an der Weser eine im Mittelalter üblichen Abgabe aus Erträgen an Vieh und Ackerbau in »Oldenwerdere« besitzt und diesen an einen Vasallen weiterverleiht. Bei genauer Verfolgung des Inhaltes der Schriftstücke kann man, zwar nicht mit 100%iger Sicherheit, annehmen, dass die Elbinsel Altenwerder bereits vor 844 in irgendeiner Form besiedelt und landwirtschaftlich genutzt wurde. Weitere Belege zeugen davon, dass bereits um 1100 in diesem Gebiet Elbfischerei betrieben worden ist.

 

 

Älteste Kartendarstellung 1847 des „Alten Kirchhofs“ möglicherweise
Standort einer Altenwerderer Kirche vor 1400

 

Im 13.und 14.Jahrhundert gehörte der Osten Altenwerders zum Bremer Erzbischofftum, die Westhälfte zu den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg. Wie das Dorf allerdings ausgesehen hat, ist nicht mal andeutungsweise festzustellen. Älteste Flurkarten sprechen von einem Gebiet mit Namen „Der Alte Kirchhof“, was u.a. darauf hindeutet, dass hier bereits eine Kirche gestanden haben muss.

 

 

Älteste Dateikarte vom Altenwerder Deichkog 1651, links lüneburgischer, rechts bremischer Teil.
Im Vordergrund Norderdeich mit der einzigen Häuserzeile der Insel.In der Mitte der Querweg („Landtwegh“) und Kirche.
Rechts hinten Fährhaus der Fähre Altenwerder-Moorburg, im Westen die damals noch unbedeichte Außenweide.

 

 Die Elbinsel musste stets gegen Hochwasser und Sturmfluten behauptet werden. Eine fortdauernde Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung war nur möglich, wenn gleichzeitig die Häuser und Felder gegen das Hochwasser durch Eindeichungen geschützt wurden. Wann genau dies begann, ist nicht überliefert, der älteste Nachweis der Eindeichung geht auf einen Bericht zurück, dass Otto der Strenge von Braunschweig-Lüneburg, der von 1277 bis 1330 regierte, Altenwerder hat eindeichen lassen. Die folgenden Jahrhunderte waren immer wieder geprägt vom Kampf gegen winterliche Sturmfluten, Deichbrüchen und Überflutungen des dahinter liegenden Landes. Die Einwohner wurden verpflichtet, Deiche zu bauen und zu erhalten. Aus der Zeit Friedrich Barbarossas ist bekannt, daß sich auf Altenwerder Glaubensverfolgte versteckten, die sich später dort ansiedelten. Bei der großen Cäcilienflut 1412 wurde die ganze Insel verwüstet. Aus dem Jahre 1418 existiert ein Vertrag, aus dem hervorgeht, dass die Insel wieder eingedeicht werden sollte. In einer Urkunde von 1487 wird erwähnt, dass der Bauer Bodo von Lessinghe an seinen angrenzten Grundstücken entsprechende Dämme, Siele und Entwässerungsgräben zu bauen verpflichtet wurde.. Sollte er dem nicht nachkommen, verliert er all seine Anrechte auf die dahinterliegenden Ländereien.

 

Altenwerder und Umgebung auf der Elbkarte von Schaden/Westphalen 1702.

 

Die älteste Nachricht eines Deichbruchs stammt aus dem Jahre 1558. Verheerende Auswirkungen hatte die große Sturmflut vom 20.01.1607, die große Teile des Landes, der Deiche und der Insel verwüstete. Regelmäßige Deichbrüche und Überschwemmungen folgten im 17. und 18. Jahrhundert, 1821 war die letzte große Flut, bis zur Jahrhundertflut 1962 blieb die Elbinsel dann von größeren Schäden verschont. 

 

 

Altenwerder und Umgebung 1878

 

Die eigentliche Geburtsurkunde des Dorfes Altenwerder stammt vom 27.Februar 1418. Die Herzöge von Braunschweig und der Erzbischof von Bremen einigten sich darauf, das Gebiet und seine Bewohner gemeinsam durch eingesetzte Vögte zu verwalten. Die Bewohner waren verpflichtet, eine Kirche und einen Pfarrhof zu bauen. Um 1500 waren 16 Hofstellen auf Altenwerder vorhanden, wobei jeder Hof ca. 10-13 Hektar besaß. Im 17.Jahrhundert nahm die Bevölkerung auf Altenwerder überdurchschnittlich zu; das brachte allerdings eine Verknappung der landwirtschaftlichen Nutzflächen und des Weidelandes mit sich. Dies wiederum führte zu einer stärkeren Spezialisierung auf Milchwirtschaft und Fischerei, wobei das vor den Toren liegende Hamburg als Absatzmöglichkeit von positivem Einfluss war. Aber auch andere Berufe wie Seiler, Schmiede, Tischler, Dachdecker, Bootsbauer, Maurer und Gastwirte siedelten sich an. Gartenwirtschaft und ab 1750 der Schiffbau kamen als spezialisiertes Gewerbe hinzu. Altenwerder erhielt sein typisches Gesicht.

 

   
Der Altenwerder Elbdeich. Zu erkennen rechts Carsten Wulf und der Milchhändler Johannes Schwartau.    
   
Wilhelm Effinger an der „kleinen Elbe“. Im Hintergrund Häuser am Elbdeich    
Fährhaus und Anleger um 1900 etwa. 1903 wurde die Wartehalle auf dem Ponton errichtet.

 

Das 19. Jahrhundert war von den aufkommenden technischen Neuerungen geprägt. Besondere Auswirkungen hatte dabei die sich entwickelnde Dampfschifffahrt. Diese verbesserte die wirtschaftliche Situation der Insel. Das erste in Altenwerder beheimatete Dampfschiff zur direkten Verbindung nach Hamburg wurde im Juli 1864 vom Altenwerder Schiffer Heinrich Koch in Dienst gestellt. Weitere Raddampfer zur Beförderung von Personen, Milch- und Gemüseprodukten folgten. Im Juni 1872 wurden bei einem großen Brand 24 Häuser auf Altenwerder zerstört.

 
Mit Dampfschiffen wie der „Union“ wurde die erzeugte Milch nach Hamburg transportiert.  
 
 Altenwerder Elbdeich mit Gemeindehaus, der späteren Ortsdienststelle. Foto um 1930  
 
Um 1922 werden Kleigräben von den Pächtern des Horn- und Blumensandes ausgehoben.   
 
 Milch aus Altenwerder wurde vor allem in Hamburg verkauft. Auf der Postkarte Milchhändler, ihr Dampfer Union und das Fährhaus Koch  

 

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Altenwerder-Das Dorf-Quellenachweis. Die hier benutzten Informationen und Bilder wurden entnommen aus: "Altenwerder": Bezirksamt Harburg in Zusammenarbeit Denkmalschutzamt Hamburg; "Altenwerder": fotografiert von H.U.Schwartau & Lothar Ehlers; Material der St.Gertrud-Kirche Altenwerder 

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